Chronische Schmerzen

 

nennen wir die Schmerzen wenn sie länger als 3 - 6 Monate angehalten haben.

 

 

 

 

 

 

                       Die Biochemie bei zentraler Sensitizierung

 

 

 

 

 

Nervenzellen haben die Fähigkeit, nach wiederholtem Reiz die entsprechenden Aufgaben rascher zu erledigen. Genau so, wie wir ein Musikinstrument spielen lernen oder das 1 x 1 pauken, lernen die Schmerznervenzellen schnell und effektiv die Meldung, dass etwas weh tut, zum Gehirn weiterzuleiten.

 

Dieses Verhalten nennt sich zentrale und periphere Sensitizierung und beruht – wie alle Lernprozesse – auf die Aktivierung von Molekülen, die DNA-Informationen lesen. Mit anderen Worten: Genaktivierung. Die Nervenzelle fängt an, weitere Rezeptoren für die Botensubstanzen zu produzieren. Dadurch wird die Zelle empfindlicher gemacht.

 

Wenn diese Sensitizierung stattgefunden hat, können sogar ganz geringe Stimuli zu starken Schmerzerlebnissen führen. Aufgrund der Genaktivierung dauert das Schmerzerlebnis viel länger als der Stimulus. Deswegen können einige Menschen nach einer Schmerzprovozierenden Belastung, stunden- oder tagelang starke Schmerzen haben.

 

Die Aktivierung der Gene wird u.a. durch das NMDA-Rezeptor-Komplex (N-Metyl-D-Aspartat) vermittelt. NMDA ist sehr stressempfindlich. Es wird durch alle möglichen Formen von Belastungen – physische wie psychische - aktiviert. Deswegen können chronische Schmerzen durch z.B. Hunger, Durst, zu wenig Schlaf, Erschöpfung, Schmerzen, Kummer, Angst, Schnupfen, Grippe, Blasenentzündung oder andere Erkrankungen verstärkt werden. Somit verstärkt sich der chronische Schmerz mit der Zeit.

 

Die Sensitizierung der Nervenzellen im Rückenmark steckt die Nachbarzellen an. Dies führt zur Ausdehnung des schmerzhaften Gebietes. Nach und nach kann ganz normales und gesundes Gewebe bei völlig normalen Belastungen schmerzhaft werden.

 

Es kommt auch vor, dass Nerven ohne entsprechenden Reiz losfeuern. Das nennt sich periphere ektopische Aktivität der Nerven und ist eine Form von Nervenschmerz.

Einige Menschen bekommen leichter als andere Sensitizierung der Schmerznerven.

 

Das ist die Erklärung dafür, warum es keinen Gesetzesmäßigen Zusammenhang zwischen Bildern (CT, MR usw.) und Schmerzen gibt.

 

Der akute Schmerz, der von krankem oder geschädigtem Gewebe stammt, und der chronische Schmerz, der auf periphere und zentrale Sensitizierung der Nerven beruht, müssen unterschiedlich behandelt werden. Für Ungeübte ist es schwierig, den Unterschied der beiden Schmerztypen zu sehen. Der chronische Schmerz ist noch nicht ausreichend erforscht. Das Bisschen, was wir wissen, ist sowohl unter Fachleuten wie unter Laien wenig bekannt.

 

In den meisten Fällen sind beide Schmerztypen – der akute Gewebeschmerz und der chronische Nervenschmerz – gleichzeitig vorhanden. Es kommt aber auch durchaus vor, dass der eigentliche Gewebeschmerz schon längst vorbei ist, während der chronische Schmerz sein eigenes Leben weiterführt.

 

 

 

 

 


Dr.med.habil. Trond Stokke                              Spesialist i anestesiologi MDNLF
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